Jocelyn B. Smith

12.12.2002

Jocelyn B. Smith

Jocelyn B. Smith im Spizz Keller

„Setze Dein Gefühl in Kraft“, fordert Jocelyn B. Smith in fotografischer Dreifaltigkeit auf den ganzseitigen Anzeigen der nächsten NIL-Kampagne. Wie das geht, demonstriert sie auf "Back to Soul". In den vierzehn Songs dieses neuen Albums setzt die singende Sensation ihr Gefühl in Kraft. Und legt dabei nicht mehr oder weniger als ihre Seele frei. Das bewegt, in jeglicher Hinsicht: die Musik auf "back to soul"- ehrlicher Soul, erdiger Funk, elegante Melodien und erfahrene Texte- spricht gleichermaßen Herz, Hirn und Hüfte an. Modern produziert, in Traditionen verwurzelt. Zeitlos und trotzdem "in the moment".

"Don’t need to worry, I’ll be fine for myself" sind die ersten Worte auf "back to soul". Sie eröffnen den Song "love isn’t a long way from home". Und das ist natürlich kein Zufall. "All you need to do is settle down, cause God will be around - love isn’t a long way from home" singt Jocelyn in dieser schönen, eindringlich groovenden Nummer. Und spiegelt damit gleich zu Anfang einen wichtigen Teil ihrer Lebenserfahrung wider. Am 22.8.1960 im New Yorker Stadtteil Queens geboren, gehörte sie Anfang der 80er zu Lenny Whites Funk/Soul-Truppe "Twennynine". Später wechselte sie u.a. zu den Disco-Funkern „Change“ und blieb 1984 in Berlin. Seitdem hat sie sich einen immer wichtigeren Platz in der deutschen Kulturszene verdient.

Vor allem aber hat sich das "Gesamtkunstwerk" (FAZ) durch zahlreiche Soloalben und die dazugehörigen Konzerte ein treues Publikum ersungen. "Gott ist schwarz und eine Frau" behauptet die WAZ nach einem Auftritt, "die Frau besticht nicht nur durch eine urgewaltige, facettenreiche Stimme mit traumhaftem Tonumfang" wusste der Münchner Merkur nach einem Konzert zum Tollwood Festival und in der SZ war anläßlich desselben Konzerts zu lesen: "Ihre Stimmgewalt hat sie in vielen Jahren und beinahe ebenso vielen Genres zur Perfektion getrieben" und "nicht nur deshalb war Löwin Smith die Königin des Abends". Wie kaum eine andere erzählt Jocelyn B. Smith auf der Bühne und im Studio Geschichten, die wie lebensberatende Fabeln funktionieren. Einfach, ehrlich, weise und unentbehrlich. Sie rät zu und ab, unterhält subtil und überträgt dabei ihre Emotionen auf die Zuhörer. Sie "setzt ihr Gefühl in Kraft". Wie immer schon.

Mit ihrem siebten Album erfüllt sie sich und ihren Fans jetzt einen lang gehegten Wunsch. Der Titel ist Programm: "Back to Soul". Mit ihrer Band mit Henning Schmiedt (Keyboards, Programmings), Eric St. Laurent (Gitarre), Volker Schlott (Saxophon), Hans-Dieter Lorenz (Bass) und Thomas Alkier (Schlagzeug) und Gästen wie Perkussionist Topo Gioia hat sie ein Studioalbum mit Live-Energie eingespielt, das in einer knappen Stunde Spielzeit weite Teile des emotionalen Kosmos bereist. "Love isn’t a long way from home", "his love has got to be real" oder "guide me" bieten "spirituellen Schleppfunk" – tiefe Texte zu ebensolchen Grooves. "Gonna be alright", "it doesn’t matter" und "fearless" sind hymnische Hits, "things I can’t explain" und "is it time" hoffnungsvoll melancholische Balladen. Funk-Rock a la Sly Stone oder Mother’s Finest hört man auf "it’s the spirit", "gotta make some noise" und "it doesn’t matter". Das ruhige, aber dennoch ruhelose "any other way" ist ihre höchst eigene Version von "spoken word poetry". Und dann wären da natürlich noch die aufbauende Midtempo-Nummer "someday we’ll understand", die herzergreifende "musikalische Wegweisung" für ihre beiden Kinder Josefine und Jonathan auf "Jo-Jo" und eine mitreißende "Gospel-Version" von "His Love Has Got To Be Real" zum krönenden Abschluß. Gemastert von Bo Kondren (etwa Jazzanova) ist die CD ein sicherer Weg, Gefühl in Kraft zu setzen. Er führt "back to soul".