Marcus Miller und Band

06.11.2003

Marcus Miller und Band

Raffinesse im Stil eines Miles Davis Marcus

Miller und Band im Spizz - ein Erlebnis

Mit einer Band, die er vom Bass her konzipiert, versetzte er das Spizz in Begeisterung. Die Musik dringt durch die Ohren, aber auch durch die Bodenschwingungen in den Körper. Marcus Miller bestätigt, was man von ihm erwartet- erdige Grooves und physische Intensität. Dabei bietet er mehr als das Spiel der schwarzen Muskeln. Die Kraft seiner Musik erwächst aus ihrer Komplexität.

Millers ausgeteilte Slap-Techniken, seine einfallsreichen Linien und Funk-Figuren durchziehen das Konzert. Der Bass als Basis und als Soloinstrument gleicht einer Band in der Band, die durch die anderen ins Orchestrale gesteigert wird. Leroy "Scooter" an den Keyboards weiß das Ganze mit raffinierten Sounds anzureichern. Als gänzlich unverzichtbar erweist sich für Miller der den Drive der Band in ständiger Interaktion mitbestimmende Poogie Bell an den Drums. Gitarrist Dean Brown kam eher in der ersten Hälfe zum Zuge. Immer wieder in das Geschehen eingewoben: der vom Ton her an Miles Davis erinnernde, hochexpressive Trompeter Michael Matches" Stewart und Tenorsaxophonist Roger Byam. Letzterer kommt, das ist unüberhörbar, stilistisch von John Coltrane.

Marcus Miller mixt Jazzgeschichte mit aktueller Popmusik, Rock, Blues und Funk. Natürlich ist Miles allgegenwärtig. Er war es, der den jungen Bassisten vor mehr als 20 Jahren in seine Band holte. Doch wenn Miller heute Klänge und Themen aus dem "Tutu"-Repertoire aufnimmt, so bezieht er sich auf einen eigenen Beitrag zu dieser Musik, die er seither mit neuen Ideen angereichert hat. In gelungener Dramaturgie führt er seine Musiker durch ein in großen Spannungsbögen angelegtes Programm. Im Mittelteil präsentiert er sich auch als Vokalist, Bassklarinettist und Sopransaxophonist - nicht um zu zeigen, was er alles kann, sondern um jene Vielfalt von Sounds aufleuchten zulassen, die zur Besonderheit seines Konzeptes zählt. Zum Höhepunkt des Abends gerät ein fulminantes Tutti: ^nCome Together". "Der Funk", sagt Marcus Miller, "liegt im Daumen." Zum Erlebnis wird er durch eine exzellente Band. Bert Noglik

(Quelle: LVZ vom 07.11.2003)