Friend´n Fellow

23.11.2004

Friend´n Fellow

Die Schublade für Friend ’n Fellow zu finden, die klärt, was man sich unter dieser Formation vorzustellen hat, gibt es nicht. Das Duo in Kurzform zu beschreiben, geht nicht. Vergleiche gibt es nicht wirklich. Schon mal werden „Tuck & Patti“ dazu herangezogen. Das greift aber zu kurz. Ginge Jazz-Duo vielleicht? Aber was sagt das schon und ist es Jazz? Ist es Soul, ist es Blues oder gar Pop? Selbst beschreiben sie ihren Stil als Acoustic Soul. Und auch dies scheint unzulänglich.

Wenn man die beiden live beobachtet, Constanze Friend’s Vielseitigkeit, ihren Witz und ihre Spontaneität erlebt, die Tiefe der bewegenden Interpretationen spürt und man dann noch versucht, die unglaubliche Gitarrenarbeit des Herrn Fellow nachzuvollziehen, erlebt man ein ganzes Ensemble einschließlich Clownerie und Orchester.

Acoustic Soul also nennen sie es. Soul – ja, Seele steckt in jedem Ton, der gesungen oder gespielt wird. Betörend, smooth, ergreifend ist jedes kleine Geräusch. Und von den kleinen Geräuschen, die den Zuhörer umströmen wie ein warmer Fön, gibt es unendliche zu entdecken. Wenn man will, versuche man auf die vielen kleinen Geräusche, Sounds, Schwingungen, Stimmungen, auf das Klopfen, Streichen, Klappen zu achten. Verzaubert wird man sein. Staunen könnte man wie ein kleines Kind vorm Weihnachtsbaum. Wiederum, man muss das Gehörte aber auch nicht auseinanderdividieren. Genauso gut kann man diese bezaubernde Musik auch einfach auf sich wirken lassen, die Augen schließen, sich die Sinne erwärmen lassen und träumen.

Man könnte behaupten, Friend ’n Fellow würden mit ihrer Musik die allgemeingültige Therapie für jede Lebenslage bereithalten. Ist man gestresst, aufgeputscht, findet man in den beruhigenden Harmonien wieder Gelassenheit. Wer sehr traurig ist, lässt sich von der warmen, souligen Stimme Constanzes trösten. Und weiß man gar nicht richtig, ob und wie man sich überhaupt fühlt, bewegen die unendlich schönen, die manchmal tief traurigen, nachdenklichen so wie die fröhlich beschwingten Kompositionen und Texte der beiden, wühlen auf und erwecken aus der Lethargie. Bewegend, einzigartig und sensibel covern sie auch sehr bekannte Titel, im SPIZZ zum Beispiel „Summertime“ (Georg Gershwin) oder „What A Wonderful World“ (Louis Armstrong). Bei letzterem stellten sie einen Gast vor. Michael Hammer und Thomas Fellow leiteten den Song mit einem wunderschönen Gitarrenduett ein, einer Unterhaltung zwischen ihren Akustischen, einem Geben und Nehmen, bei dem auch mal auf eine heftige Gegenrede ein entschuldigendes Bedauern folgte.

Souverän beherrscht Constanze Friend ihre variabel, äußerst facettenreiche, ausdrucksstarke Stimme, perfekt zwar – aber ohne kühle Perfektion. Vergleiche zu Joan Armtrading und Cassandra Wilson tun sich unwillkürlich auf. Warm, in der Tiefe manchmal rauchig und bluesig, spannend in den ganz leisen, stillen Passagen, stark in den lauteren weiß sie ihre Zuhörer zu fesseln. Aber sie tut dies auch durch ihre Gesamterscheinung, mit ihrem Humor, mit der Verbindlichkeit, mit der die hübsche Frau auf das Publikum zugeht um die Leute dazu zu verdonnern, mit ihr zu albern und zu singen. Dabei scheint alles an ihr aus Rhythmus zu bestehen. Zwar gibt es keine aufwendigen Bewegungen aber Zappeln mit jeder Faser, Scatten, Schnipsen in jedem Moment. Und wenn Zeit zu überbrücken ist, weil ihr Begleiter mal wieder seine Gitarre neu stimmen muss, nimmt sie ihn auf die Schippe, kess mit frechen Worten und ernsthafter Mimik.

Thomas Fellow sieht es ihr freundlich nach, lächelt geduldig und liebevoll. Was sollte er angesichts dieses Charmes auch sonst tun. Und man kann behaupten, er ist in allen Momenten ihr perfekter, rücksichtsvoller Begleiter. Der Professor, der sein Instrument mustergültig beherrscht, ordnet seine Kunst der Performance der Sängerin unter. Zuweilen sitzt der große Mann ein wenig wie das tapfere Schneiderlein auf seinem Barhocker, freut sich wie ein Schelm während er mit Leichtigkeit ganz verblüffende Kunststücke auf seiner Gitarre vollführt. Aber die Hauptrolle würde er nie in Anspruch nehmen. Dabei entstammen die meisten der Kompositionen seiner Feder und erhalten auch gerade durch seine sensible, vielschichtige Begleitung die Tragweite und Atmosphäre. Nicht nur eine Gitarre, eine ganze Band – Gitarre Bass und Perkussion – setzt er technisch brillant in einem um.

Man mochte die beiden nicht wieder von der SPIZZ-Bühne lassen, hätte noch Stunden diese meisterhafte Musik genossen und sich über Constanze Friend’s komödiantische Einlagen gefreut. Ohne Zugaben ging der Abend daher auch nicht zu Ende. „Don’t forget it’s christmas time!” Improvisierte Constanze zum Schluss und erinnerte an die große Familie und die vielen Geschenke, die man wieder bräuchte, die Problemlösung bereits in der Hand haltend. Dazu lässt sich doch gerade jetzt zu Weihnachten nur propagieren: Leute Kauft ihre CD’s– Gänsehaut für alle!

(Quelle: le-nightflight.de)